Zeitungsartikel „Mindener Tageblatt“ März 2021

„Die Geschwister Dirk, Andreas und Kai Tiemann sind nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Team. Ihr Vater baute das Unternehmen in der heimischen Garage auf. Jetzt mischen schon die Enkel mit.

Schon als Jugendlicher ist er mit dem Mofa zur Firma gefahren, erinnert sich Dirk Tiemann. Dort hat er für fünf Mark die Stunde Fenster geschweißt. „So konnte ich mir mein Taschengeld aufbessern und im Lindenhof auch mal einen ausgeben“, erinnert sich der Hiller und lacht. Ähnlich haben es seine jüngeren Brüder Andreas und Kai erlebt. Auch sie haben sich als Schüler im Betrieb etwas dazuverdient. „Wenn wir unseren Vater treffen wollten, mussten wir in die Firma fahren. Das ist bei unseren Söhnen in dieser Form nicht mehr so.“

dtH Tiemann ist ein Familienunternehmen, das der 2015 verstorbene Otto Tiemann in den 60er Jahren in der heimischen Garage aufbaute. Relativ schnell hatte er die Idee, die von ihm gefertigten Jäger- und Gartenzäune aus Holz mit Kunststoff zu veredeln, um sie witterungsbeständig zu machen. 1967 gründete Otto Tiemann die gleichnamige GmbH und stellte für die Fertigung von Kunststofffenstern ein Jahr später den ersten Mitarbeiter ein.

„Unser Vater hat uns nie gedrängt, in die Firma einzusteigen. Wir sind damit aufgewachsen und damit war eine gewisse Bindung da“, sagt Dirk Tiemann. Das bestätigt sein Neffe Joshua Tiemann (25):„Auch wir wurden nie gedrängt, Teil der Firma zu werden. Aber schon als kleiner Junge habe ich hier am Schreibtisch gesessen und Bildergemalt. Da lässt sich eine gewisse Bindung nicht vermeiden und das ist auch schön. “Er habe erlebt, mit wieviel Herzblut die drei Brüder das Unternehmen leiten. Und so habe er sich nach seinem Studium entschieden, in das Familienunternehmen einzusteigen.

Joshua Tiemann hat sich mit der Firmengeschichte beschäftigt und einiges dazu aufgeschrieben. Demnach ist Otto Tiemann Anfang der 70er Jahre aus seiner Garage in einen umgebauten ehemaligen Stall auf den Horstbohlen gezogen. Seine Mitarbeiter kamen aus den unterschiedlichsten Branchen. Sie waren Tischler, Milchfahrer oder Landwirte. Der Firmengründer dachte in größeren Dimensionen und erwarb ein Grundstück im Industriegebiet Osterfeld – dem heutigen Firmensitz. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen die Montage ein und konzentrierte sich auf reine Produktion von Fenstern und Haustüren.

„Die Firma ist immer ein Thema“, sagt Dirk Tiemann, der als gelernter Tischler 1990 die Leitung des Unternehmens übernahm. Auch wenn die Familie privat zusammensitzt, sei die Firma Gesprächsstoff. Im Übrigen auch bei ihm und seiner Frau Ilka, die eine eigene Fensterbaufirma leitet. „Da müssen wir schauen, dass wir uns gebietsmäßig nicht in die Quere kommen.“ Und natürlich seien sich auch die Brüder nicht immer einig. „Wir führen auch unschöne Gespräche.“ Aber bisher hätten sie sich noch immer geeinigt. „Am Ende wird abgestimmt“, sagt Andreas Tiemann. „Zwar sei die Geschäftsführung überwiegend mit Familienmitgliedern besetzt, aber eine Abstimmung mit Mitarbeitern und Führungskräften sei enorm wichtig. „Nicht nur die Familie ist für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich, sondern insbesondere unsere Mitarbeiter.“

Nach Dirk war Andreas Tiemann der zweite Sohn, der 1992 als gelernter Maschinen- und Stahlbauer in die Firma einstieg und die Produktionsleitung übernahm. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine zweite Produktionsstätte in Herzberg im Osten Deutschlands. 1997 entschied sich mit Kai Tiemann auch der jüngste Sohn dafür, im Familienbetrieb zu arbeiten. Er hat wie sein Bruder Andreas eine Ausbildung zum Maschinen-und Stahlbauer absolviert und ist heute für das Qualitätsmanagement zuständig.

Das Unternehmen ist kontinuierlich gewachsen und an den Standorten in Hille und Herzberg mehrfach erweitert worden. „Die Branche befindet sich seit etwa 15 Jahren in einem Verdrängungsmarkt“, sagt Dirk Tiemann. Sie selbst würden als Hersteller in diesem umkämpften Markt gut dastehen. Der nördlichste Kunde von dtH hat seinen Sitz in Niebüll, der südlichste Kunde in Freilassing, kurz vor Salzburg. Insgesamt würden rund 4.000 Fenster pro Woche die Produktionsstätten verlassen. Warum es für das Hiller Unternehmen wirtschaftlich gut läuft? „Wir legen viel Wert auf Kundenbindung. Uns ist wichtig, dass wir ein persönliches Verhältnis zu unseren Geschäftspartnern haben“, sagt Kai Tiemann.

Er hoffe, dass der Bauboom noch lange anhält, sagt Joshua Tiemann. Denn schließlich wolle das Unternehmen weiter wachsen. Räumlich gesehen ist das in Hille allerdings ein Problem. „Das Gewerbegebiet hier ist nicht mehr zeitgemäß. Da hätte die Politik schon vor vielen Jahren etwas anschieben müssen“, findet Dirk Tiemann. Zwar hätte sich die Gemeinde in Sachen Wirtschaftsförderung auf einen guten Weg gemacht, aber alles dauere etwas länger. „Wenn sich die Gemeinde entwickeln möchte, dann müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Und dafür brauchen Unternehmen Raum zum Wachsen“, sagt Andreas Tiemann. In Herzberg hingegen sei man viel besser aufgestellt. Dort könnten sie theoretisch noch 10.000 Quadratmeter erwerben, um die Produktion zu erweitern.

Seit 2018 mischt die dritte Generation im Unternehmen mit. Mit Julia war die erste Enkelin des Firmengründers mit an Bord und arbeitet im Bereich Marketing. Nur ein Jahr später beendeten Patrick und Joshua Tiemann ihr Wirtschaftsstudium und stiegen im Personal- beziehungsweise Projektmanagement ein. Klar habe er Visionen für die Zukunft des Unternehmens, aber ohne dabei das Rad neu zu erfinden, sagt Patrick Tiemann (29). Das, was er theoretisch im Studium gelernt habe, schlage nicht die jahrelange Erfahrung. „Im Gegensatz zu unseren Vätern haben wir das Fensterbauen nicht von der Pike auf gelernt. Das können wir auch nicht mehr aufholen.“

Ihr Vorteil sei zum Beispiel, dass sie in einer Generation groß geworden sind, in der unter anderem soziale Medien und zunehmende Flexibilität eine Rolle spielen. „Diese Fähigkeiten können wir mit einbringen“, sagt Joshua Tiemann. „In letzter Zeit haben wir daher ganz bewusst auch viele jüngere Mitarbeiter eingestellt. Die junge Generation beschränkt sich nicht nur auf Julia, Patrick und mich.“ Für Andreas Tiemann ist es nicht selbstverständlich, dass drei Brüder schon so viele Jahre nebeneinander und miteinander erfolgreich arbeiten. „Das macht mich sehr stolz.“ Das sieht auch Kai Tiemann, der jüngste der drei Brüder, so: „Wir arbeiten immer an uns und wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen.“

Autorin: Stefanie Dullweber
Herausgeber: Mindener Tageblatt


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